Firmenchef redet Tacheles: Liebherr ächzt unter teuren Regeln Von Tobias Götz Veröffentlicht: 05.10.2026 • Uhr Schwäbische Zeitung Das Liebherr-Werk Ehingen (LWE) hat erhebliche Mehrkosten bei den Transporten ihre Krane. Bis zu 400.000 Euro kosten

Michael Donth (CDU), Ronja Kemmer (CDU) und Daniel Pitzer, kaufmännischer Geschäftsführer des Liebherr-Werks Ehingen (v.l.) diskutierten über Transportwege. Wenn Politiker zu Besuch sind, reden Firmenchefs meist Tacheles. So geschehen bei der jüngsten Stippvisite des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Donth (Kreis Reutlingen und Pate des Wahlkreises Ulm) und der neuen Chief Digital Officer (CDO) des Landes Baden-Württemberg, Ronja Kemmer. Da Michael Donth nun Kemmers ehemaligen Wahlkreis mitbetreut und im Ausschuss für Verkehr sitzt, war es Daniel Pitzer, kaufmännischer Geschäftsführer des Liebherr-Werks Ehingen, eine Herzensangelegenheit, über die Herausforderungen des Weltmarktführers bei Schwertransporten zu sprechen. „Als Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern und einer Exportquote von 80 Prozent haben wir hier große Herausforderungen. Viele unserer Krane müssen eben von Süddeutschland nach Norddeutschland“, betont Pitzer. Gerade der Hafen in Bremerhaven wird vom Ehinger Kranhersteller genutzt, um die Krane aller Größen in die ganze Welt zu verschiffen.-------------------------Dabei ist der Seeweg aktuell nicht das Problem, sondern eben die deutsche Infrastruktur zwischen Ehingen an der Donau und Bremerhaven. „Es geht aber auch um unsere Kunden, die mit den Kranen in Deutschland unterwegs sind. Auch die leiden, wie wir, unter viel Bürokratie, maroden Straßen und Brücken“, so Pitzer.----------------------Konkret wird das Problem, wenn man auf die Strecke zwischen Ehingen und Bremerhaven blickt. Der direkte Fahrtweg beträgt rund 760 Kilometer. Dieser kann und darf aber aufgrund maroder Brücken und Straßen für die schweren Mobilkrane aus Ehingen nicht genommen werden. Etwas kleinere Krane können eine östlichere Route nehmen - diese ist dann 930 Kilometer lang. Die meisten Fahrten aber gehen von Ehingen aus über Potsdam nach Bremerhaven auf einer Strecke von rund 1020 Kilometer. „Bis vor einem dreiviertel Jahr hat uns dieser Umweg rund eine Million Euro im Jahr an zusätzlichen Spritkosten gekostet. Mit den jetzigen Preisen liegen wir nun bei Mehrkosten von fast zwei Millionen Euro“, erklärt Tobias Ilg vom Ehinger Werk auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung.-------------------------------Hinzu kommen dann aber noch die vorgeschriebenen Begleitfahrzeuge, die ebenfalls Geld kosten. Doch die Begleitfahrzeuge verursachen nicht nur bei der Überführung der Krane nach Bremerhaven immense Kosten, sondern auch bei den Fahrten, die nur wenige Kilometer rund um das Ehinger Werk stattfinden müssen. Gerade die Kurzstrecken, auf denen Begleitfahrzeuge der Stufe 3 und 4 (BF3, BF4) eingesetzt werden müssen, haben es in sich. Es kommt auf die Größe an „Je nach Größe und Gewicht brauchen wir bis zu zwei Begleitfahrzeuge, wenn ein Kran zur Firma Ott zum Lackieren fährt. Bis zu vier Achsen braucht es keine Begleitfahrzeuge“, erklärt Ilg den Umstand, der für wenige Kilometer gemacht werden müsse. Gleiches gelte, wenn ein großer Kran aus dem Ehinger Stammwerk zur Reparatur nach Berg oder zur Spedition Denkinger nach Allmendingen fahren muss. Täglich fahren zudem zwei Transporte von Liebherr Components Biberach zur Spedition Friedsped, nach Berg und Allmendingen gibt es sieben Transporte pro Tag, zur Firma Ott fünf. ----------------------------All das sorge nach Angaben von Liebherr für jährliche Kosten der Begleitfahrzeuge von rund 400.000 Euro - nur für die Fahrten rund um das Werk. „Unsere Wunschlösung wäre, dass diese Fahrten als erweiterter Werksverkehr bezeichnet werden könnten. Das wäre die beste Lösung, die es übrigens an anderen Orten auch für Unternehmen gibt“, betont Ilg.-----------------------Für Geschäftsführer Pitzer ist daher klar, dass die Politik handeln sollte. „Es geht hier bei allem, was wir tun, auch um Arbeitsplätze und Wohlstand für die ganze Region. Deswegen ist es uns auch wichtig, ständig im Austausch mit der Politik zu sein“, sagt Pitzer, der betont: „Der Standort Süddeutschland darf hier nicht benachteiligt werden.“--------------------------Für Michael Donth, dessen Besuch beim Liebherr-Werk Ehingen Premiere hatte, kennt natürlich den Ehinger Kranhersteller und macht deutlich: „Es ist enorm wichtig, solche Unternehmen in Deutschland zu haben. Ich sehe es auch als Hauptaufgabe der Bundesregierung an, für den Industrie- und Produktionsstandort Deutschland da zu sein.“ Der Blick auf die vergangenen Jahre der deutschen Industrie sei zudem „besorgniserregend“, wobei er aktuell etwas „Licht am Ende des Tunnels“ sehe. „Wir müssen Prozesse vereinfachen und durch Bürokratieabbau für Entlastung sorgen“, erklärt der Politiker, ohne direkte Versprechungen in Richtung Liebherr zu machen. Aber: „Ich weiß genau, dass wir den Druck zu schnelleren Genehmigungsverfahren erhöhen müssen.“----------------------------Regeln zurückbauen Das sieht auch Ronja Kemmer so, die in ihrer neuen Funktion als CDO durch die Digitalisierung ebenfalls zum Abbau der Bürokratie auf Landesebene beitragen möchte. „Wir müssen Regeln zurückbauen“, macht Kemmer klar. Hier rennt sie beim Ehinger Weltmarktführer offene Türen ein. Denn Liebherr klagt nicht nur, sondern bietet auch Lösungsansätze. So sollte der Staat bei Antrags- und Abstimmungsprozessen digitaler und standardisierter werden. Zudem schlägt Liebherr vor, dass eine Rückkehr zum Konvoiverfahren, wie es viele Jahre lang Standard war, die Anzahl der teuren Begleitfahrzeuge drastisch reduzieren könnte. „Und wenn dann noch in die maroden Brücken und Straßen investiert werden würde, wäre uns geholfen“, erklärt Ilg. Geld könnte hier beispielsweise über eine PKW-Maut zur Finanzierung eingenommen werden.

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